Ich kämpfe jeden Tag mit meinem deutschen Zungenschlag. Es ist mir tatsächlich unmöglich, fließendes Englisch zu sprechen und zugleich den Akzent aus der Heimat zu behalten. Aber – das ist wie Magie – in den lichten Augenblicken, wenn ich es einmal geschafft habe, die Sprechweise der Einheimischen anzunehmen, fehlen auf einmal auch die Worte nicht mehr. Nicht, dass sich die Sprachfertigkeiten auf zauberhafte Weise verbessern, nein: Es fällt einfach nur die unnötige Suche nach Übersetzungen weg. Wie eine unsichtbare Verbindung, die neue Brücken schlägt. Meine Vermutung ist, dass sich der Klang der Worte, die wir im Alltag hören, im Gedächtnis genauso speichert wie deren eigentliche Übersetzung oder semantische Bedeutung. Sobald man also den vorher fremden Akzent angenommen hat (wozu ein gutes Stück an Hörerfahrung gehört), sind zwei Brücken zur Fremdsprache geschlagen: Die Semantik und der Klang des Wortes. Und dann fließen die Worte einfach so, wie das Gehör sie einst aufgenommen hat und als Art Klangfolge abgespeichert hat. Wir hören uns selbst beim Sprechen und erinnern uns dabei an Satzmelodien, es ist so, als merke man sich ein Stück Musik und erinnere sich erst am Ende jedes Melodiestücks an das folgende – aber nur, wenn man es sich selbst vorsingt. Das Schönste an Sprache ist eben doch nicht die Schrift, sondern ihre ursprüngliche Form des Weitergebens: Mündlich. Und auf diese Art kann ein Mensch auch in einer neuen Sprache ein Zuhause finden. Oder in einer neuen Stadt in einem neuen Land.

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